Wie Schulen und außerschulische Lernorte dauerhaft zusammenarbeiten.
Interview mit Christiane Bröckling, Geschäftsführerin BildungspartnerNRW
In dieser Folge spricht Christine Schumann über das Netzwerk BildungspartnerNRW und darüber, wie Schulen gemeinsam mit Bibliotheken, Museen, Theatern oder Gedenkstätten langfristige Kooperationen aufbauen – jenseits von Einzelinitiativen und Projektlogik.
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Schlagwörter
Außerschulischer Lernort, Podcast, Schule, NRW, Lernumwelten, Aktionswochen,
| Art des Podcasts | Best Practice |
|---|---|
| Autor des Podcasts | Christine Schumann |
| Bildungsbereich | Grundschule; Sekundarstufe I; Sekundarstufe II |
| Laufzeit | 00:25:13 |
| Tag der Aufnahme | 28.04.2026 |
| Rechte | CC-by-sa, Namensnennung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen |
| Letzte Änderung am | 2026-04-29 10:30:14 |
Lesefassung
(Von AI Companion stark zusammengefasste Transkription)
Guten Tag und herzlich willkommen bei „Bildung auf die Ohren“, dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Christine Schumann.
Heute geht es um außerschulische Bildung – genauer darum, wie Schulen verlässlich mit anderen Bildungseinrichtungen zusammenarbeiten können. Im Fokus steht ein in Deutschland besonderes Programm aus Nordrhein‑Westfalen: Bildungspartner NRW.

Bildungspartner NRW ist ein landesweites Netzwerk von Bildungs- und Kultureinrichtungen, die langfristig mit Schulen kooperieren. Grundlage sind schriftliche Kooperationsvereinbarungen, in denen gemeinsame Ziele, Aktivitäten und organisatorische Rahmenbedingungen festgelegt werden.
Über das Konzept und seine Wirkung spreche ich heute mit Christiane Bröckling, Geschäftsführerin von Bildungspartner NRW.
Guten Tag, Frau Bröckling. Schön, dass Sie da sind. Was verbirgt sich hinter Bildungspartner NRW – und was macht das Programm besonders?
Christiane Bröckling: Bildungspartner NRW steht für die systematische Kooperation von Schulen mit außerschulischen Bildungs‑ und Kultureinrichtungen, vor allem mit kommunalen Partnern wie Bibliotheken, Museen, Musikschulen oder Gedenkstätten.
Das Besondere ist die Kooperationsqualität. Schule und Partner vereinbaren schriftlich, aus welchen schulischen Anlässen sie zusammenarbeiten, welche Jahrgänge beteiligt sind, wie Kommunikation, Feedback und Zuständigkeiten geregelt werden. Die Schulleitung unterschreibt ebenfalls – das schafft Verbindlichkeit und entlastet alle Beteiligten. So lassen sich typische Schwierigkeiten vermeiden, etwa dass Kooperationen allein vom Engagement einzelner Lehrkräfte abhängen oder Besuche nicht in den Unterricht eingebettet sind. Ziel ist außerdem, die Zusammenarbeit konzeptionell zu verankern, etwa im Schulprogramm, im Curriculum oder im Ganztag.
Unsere Erfolgsformel lautet deshalb: verlässliche Absprachen, passgenaue Lernangebote und dauerhafte Kooperation.
Bildungspartnerschaften in der Praxis: Ein konkretes Beispiel
Können Sie das an einem Beispiel verdeutlichen?
Christiane Bröckling: Gern. Nehmen wir eine Grundschule und eine öffentliche Bibliothek. Eine Lehrkraft möchte die Lesekompetenz stärken und regelmäßig die Bibliothek besuchen. In der Bildungspartnerschaft wird vereinbart, dass alle dritten Klassen die Bibliothek kennenlernen und einen Leseausweis erhalten, die vierten Klassen gezielt Recherche‑ und Auswahlkompetenzen einüben.
Diese Absprachen gelten dauerhaft für alle Jahrgänge, Termine werden grob festgelegt, Schulleitung und Bibliotheksleitung unterschreiben. Das macht die Kooperation planbar, verlässlich und für alle Seiten deutlich einfacher.
Vielfalt der Bildungspartner: Bereiche und Zahlen
In welchen Bereichen gibt es Bildungspartnerschaften – und wie viele Schulen beteiligen sich?
Christiane Bröckling: Wir arbeiten mit zehn Sparten, von Archiv bis Volkshochschule. Dazu gehören kulturelle Bildung mit Theatern und Musikschulen, historisch‑politische Bildung mit Museen und Gedenkstätten, Leseförderung und Medienbildung, Umwelt‑ und MINT‑Bildung sowie Sport.
Aktuell sind rund 1.600 Schulen aller Schulformen beteiligt – das ist knapp ein Drittel aller Schulen in NRW. Auf Seiten der Einrichtungen sind es über 500 Partner, insgesamt bestehen über 2.000 Bildungspartnerschaften.
Bildungspartner NRW - Gemeinsam mehr bewegen
Qualität außerschulischen Lernens: Was funktioniert gut?
Was läuft gut – und wo gibt es noch Herausforderungen?
Christiane Bröckling: Das Feedback ist überwiegend sehr positiv. Schulen und Einrichtungen schätzen den Rahmen und die Handlungssicherheit. Natürlich bleiben Herausforderungen wie Zeit, Personal oder individuelle Abhängigkeiten bestehen.
Unsere regelmäßigen Befragungen zeigen aber, dass Vor‑ und Nachbereitung mittlerweile häufig stattfindet – das ist ein zentraler Erfolgsfaktor. Viele Einrichtungen stellen Materialien bereit. Auch die Verankerung in Schulprogrammen oder Curricula nimmt zu: Über die Hälfte der Schulen gibt an, das die Bildungspartnerschaft bereits fest integriert ist.
Best‑Practice‑Beispiele: Theater und Gedenkstätte
Besonders gelungene Kooperationen zeichnen wir jährlich aus. Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit eines Stadttheaters mit einer Gesamtschule. Schülerinnen und Schüler entwickeln eigene Stücke zu Themen wie Mobbing oder biografischen Fragen, die mit theaterpädagogischer Begleitung erarbeitet und öffentlich aufgeführt werden.
Ein weiteres Beispiel ist die Kooperation einer NS‑Gedenkstätte mit einer Förderschule. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich intensiv mit dem Thema „Ausgegrenzt sein“ auseinander, gestalten Ausstellungen mit oder arbeiten an barrierefreien Angeboten. Das ist fachlich anspruchsvoll und pädagogisch sehr wirkungsvoll.
Deutscher Bildungsserver
Übertragbarkeit und Förderung von Bildungspartner NRW
Ist Bildungspartner NRW ein Modell für andere Bundesländer?
Christiane Bröckling: Gute Kooperationen gibt es überall. Besonders bei uns ist die thematische Vielfalt und die gemeinsame Unterstützung durch Land und Kommunen. Bildungspartner NRW selbst vergibt keine Projektmittel, sondern stärkt nachhaltige Kooperationen jenseits befristeter Modellförderungen. Als Qualitätsmerkmal kann eine Bildungspartnerschaft aber helfen, andere Förderquellen zu erschließen.
Zukunft außerschulischer Bildung in NRW
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Christiane Bröckling: Ich wünsche mir weiterhin viele lebendige, gut passende Kooperationen vor Ort, Wertschätzung für das Engagement aller Beteiligten und ausreichende Ressourcen, um diese Arbeit langfristig möglich zu machen.
Ganz herzlichen Dank, Frau Bröckling, für das Gespräch.